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Was hat die Uckermark mit der Region Asturien gemein? Engagieren sich Jugendliche in Potsdam genauso gerne wie in Lissabon? Und warum werden nicht auch in Brandenburg Kneipen gefördert, um das gesellschaftliche Leben aufrecht zu erhalten, so wie in England?
Das Projekt „entersocial Good Practice Transfer“ von iq consult ergründete von September 2010 bis März 2012 europaweit Vielfalt und Möglichkeiten sozialer Innovationen speziell in ländlichen Räumen. Brandenburger/innen tauschten sich im Rahmen von Studienreisen nach England, Frankreich, Portugal und Spanien sowie bei Fachveranstaltungen mit Fachleuten und Praktikern aus mehr als zehn verschiedenen EU-Ländern aus. Das Ziel: Erfahrungen, Visionen und Konzeptideen zu teilen und für die regionale Entwicklung einzusetzen, in Brandenburg und den weiteren beteiligten Regionen.

Workshop Jugendengagement mit Ashoka, Oieras (Portugal), September 2011
Foto: Elena Knaack
Einen ausführlichen Bericht über Studienreisen, Fachveranstaltungen und Ergebnisse finden Sie unten.
iq consult setzt diese Aktivitäten in Form transnationaler Arbeitsgruppen im Projekt "social impact region" ab März 2012 fort. Das transnationale Projekt wurde gefördert vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASF) aus Mitteln desEuropäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg.
Unsere Partner im Projekt entersocial Good Practice Transfer sind
denokinn (Basque Centre for Innovation, Entrepreneurship and New Business Development)
ISCTE/ dinamia cet (Universität Lissabon)
Fazit und Ergebnisse
Erfahrungsbericht
"Soziale Innovatoren profitieren vom europäischen Austausch"
England – Lokale Wertschöpfung
Soziales Unternehmertum spielt in England eine wesentlich größere Rolle als in Deutschland. Dies spiegelt sich u.a. in der Bandbreite von Unterstützungsformen für Sozialunternehmen wider. Ein Beispiel ist die Plunkett Foundation. Bereits 1919 gegründet, unterstützt die Stiftung Kooperativen und Sozialunternehmen in ländlichen Gemeinden mit Beratung, finanziellen Mitteln und Vernetzung. Entscheidend ist die Stärkung der lokalen Gemeinschaft. Deshalb spielen neben Dorfläden, Erzeugerverbünden oder selbstorganisiertem Nahverkehr die örtlichen Pubs eine wichtige Rolle. „Dieser ganzheitliche Ansatz ist etwas Besonderes“, so Norbert Kunz, Geschäftsführer von iq consult, beim Besuch in Oxford im Februar 2011.
Frankreich - Regionalwährung
Fachleute aus mehr als 20 Ländern trafen sich im Februar 2011 zur internationalen Konferenz über komplementäre Währungen (z.B. Regionalgeld) in Lyon. Mit dabei Uwe Kellermann von der Havelblüte und Hans-Jürgen Fischbeck aus Joachimsthal. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Fachgesprächs in Oranienburg aufbereitet – und konnten mit dazu beitragen, dass die Regiogeld-Initiative in Nord-Ost Brandenburg wieder aufgegriffen wurde.
Portugal - Jugendengagement
„Über 30% der Jugendlichen in Deutschland und anderswo würden sich gerne engagieren, finden aber nicht den Zugang. Das möchten wir ändern“, so Mareike Emde, Projektleiterin der Youth Changemaker City Potsdam. 2010 von der Ashoka Jugendinitiative gestartet, und unterstützt vom Stadtjugendring Potsdam, fördert das Projekt Jugendliche wie Patrick Lühlow, der Engagierte in Potsdam auf einer Landkarte vernetzen möchte, mit Beratung und kleiner finanzieller Hilfe. Bei der Studienreise im September 2011 trafen die beiden u.a. auf Armandio Rodrigues, der die Ashoka Jugendinitiative in Portugal aufbaut und 20 junge Engagierte aus ganz Portugal zum gemeinsamen Workshop eingeladen hatte. Im Anschluss wurde bei einem Fachgespräch in Potsdam über die Chancen eines fruchtbaren Zusammenspiels von Jugendsektor und der öffentlichen Verwaltung diskutiert.
Spanien – Raumpioniere
Raumpioniere begreifen wirtschaftliche wie soziale Umbrüche als Chance. José Perez, genannt Pericles, reagierte 1987 auf die Schließung der Eisen- und Stahlindustrie in Asturien und gründete Valnalón. „Hier haben alle auf irgendein großes Unternehmen gewartet, das der Region wieder Arbeitsplätze schenkt“, erinnerte sich Marta Pérez beim Besuch der Brandenburg/innen im Februar 2012. Statt einem Arbeitgeber kamen Selbstständige, Kleinunternehmen und zunehmend Sozialunternehmen. Valnalón unterstützt sie mit Beratung, Büros und Vernetzung, gefördert von der regionalen Regierung. Pericles hat es geschafft, unternehmerische Bildung auf den Lehrplan der Schulen zu bringen, zunächst in Asturien, später auch in anderen spanischen Regionen. Gerhard Lichtner vom Gut Stolzenhagen erkennt Parallelen: „Auch bei uns in Nordbrandenburg ist die Struktur des wesentlichen und identitätsstiftenden Arbeitgebers , der LPG, vor 20 Jahren fast komplett zusammengebrochen. Und die Folgen sind sehr ähnlich.“

Studienreise Februar 2012: Der Ort Langreo durchlebte eine Transformation. Dank Valnalón gibt es heute viele Selbstständige in der Region.

Valnalón unterstützt Existenzgründer/innen mit Beratung und Büros.
Fotos: Elena Knaack
Kooperation mit der Hochschule Eberswalde
Zwei Veranstaltungen wurden in Kooperation mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde organisiert. Beim Fachgespräch „Regenerative Landwirtschaft“ erläuterten Pioniere der Permakultur ihren Ansatz, das Zusammenleben von Menschen, Tieren und Pflanzen langfristig zu ermöglichen und zugleich auf die Bedürfnisse und Ressourcen aller Rücksicht zu nehmen.
Am 7. November 2011 tauschten sich mehr als 70 Interessierte in zwei Arbeitsgruppen mit erfolgreichen Sozialunternehmer/innen aus. Darunter waren neben Pericles auch Heinz Frey von der Nahversorgungsinitiative DORV e.V., die aktuell in Seddin aktiv wird, sowie Christian Hiß, Gründer der Regionalwert AG. Sein mehrfach ausgezeichnetes Konzept ermöglicht Akteuren in ländlichen Räumen die Investition in lokale und sozialökologisch nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.
Alle Initiativen, Projektträger, Unterstützer und Förderer eint die Frage nach der Wirkung ihres Engagements. Eine Möglichkeit, die verschiedenen Interessen und den gesellschaftlichen Mehrwert in einer Kennzahl aufzubereiten, bietet das Verfahren „Social Return on Investment“ (SROI). Zum Abschluss des Projekts bekamen Brandenburger/innen am 16./17. Februar die Gelegenheit, dieses in Deutschland noch recht neue Verfahren sowie internationale Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft und SROI-Praxis kennenzulernen, die zur Konferenz nach Potsdam gekommen waren. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem International SROI Network statt.
Im Anschluss an die Konferenz hat iq consult einen deutschen SROI Blog ins Leben gerufen, auf dem regelmäßig über SROI Entwicklungen in Deutschland berichtet wird. Link zum Blog
Was bleibt und wie geht es weiter?
Christian Hiß konnte mit seinem Konzept eine Gruppe von Brandenburger/innen begeistern, die bereits die ersten Züge einer „Regio-Wert Berlin-Brandenburg e.V.“ entworfen haben. „Das in Freiburg entwickelte Modell ist nicht ohne Anpassungen in Brandenburg übertragbar“, so Thorsten Wübber, Sprecher der Initiative, „aber der Grundgedanke, mit einer AG- oder Genossenschaftsform Eigenkapital für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten auf dem Land zu schaffen, trifft genau die strukturellen Probleme, die wir in der Region haben.“
In Nord-Ost Brandenburg begeht die Regionalwährungsinitiative einen Neustart. Und die Permakulturbewegung konnte durch den Erfahrungsaustausch wertvolle Impulse mitnehmen und wird den transnationalen Dialog fortsetzen.
Diese Initiativen erhalten von iq consult begleitende Beratung im ebenfalls vom MASF geförderten Projekt entersocial.
Ab März 2012 geht "entersocial Good Practice Transfer" in die nächste Runde: In vier transnationalen Arbeitsgruppen arbeiten Brandenburger/innen sowie Partner aus anderen europäischen Regionen Strategien und Kooperationsprojekte in den Themenfeldern regionale Wirtschaft, demografischer Wandel und nachhaltige Landwirtschaft.
Kontakt
iq consult gemeinnützige gmbh
Schiffbauergasse 7
14467 Potsdam
Tel.: +49 (0)30 611 34 29
E-Mail: knaack@iq-consult.com
Projektleitung: Norbert Kunz
Projektteam: Elena Knaack, Beñat Egaña, Florian Brix